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Heute war wieder einer da……ein 81-järiger Patient. Eigentlich war ich dort, denn seit seinem Schlaganfall kann er nicht mehr in die Praxis kommen.

Gestern Abend ging es ihm kurze Zeit schlecht, und er war kaum ansprechbar, deshalb hatte die Ehefrau um einen Hausbesuch gebeten.

Als ich hinkam, ging es dem Patienten schon wieder recht gut. Er begrüßte mich mit einem lebhaften Redeschwall. Seine Ehefrau und ich hörten ihm eine Weile zu. Es war offensichtlich, dass er uns etwas Wichtiges sagen wollte, aber man konnte überhaupt nichts verstehen.

Der Schlaganfall hatte neben der Lähmung des rechten Arms eine Sprechstörung (Aphasie vom Typ Wernicke) zurückgelassen. Der Patient sprach in Sätzen mit wechselnder Intonation und manchmal waren Worte, eine kurze Phrase verständlich, aber es gelang ihm nicht, auch nur einen einzigen klaren Satz zu kommunizieren.

Der Schlaganfall liegt fast 2 Jahre zurück. Der Patient kann mich mittlerweile wieder verstehen und einfachen Aufforderungen folgen. Er versteht einfache Fragen, aber kann nicht darauf antworten.

„Manchmal“, erzählt seine Frau:“Wird er dann ganz ungeduldig und erwartet, dass man ihm antwortet.“ Vor allem aber merkt er mittlerweile, dass er nicht das sagen kann, was er sagen will und dass ihn niemand versteht.

Wie schrecklich muss das sein, eines morgens aufzuwachen und eine Spreche zu sprechen, die niemand, nicht einmal man selbst, verstehen kann, mit niemandem mehr über ein „Ja“ oder „Nein“ hinaus kommunizieren zu können.

Diese unendliche Einsamkeit würde mich auch aggressiv machen.

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