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Manchmal kommt ja alles auf einmal.

Erst ist mir vor ein paar Wochen über das Wochenende der Kühlschrank ausgefallen und Impfstoffe im Wert von mehr als 1000 Euro kaputt gegangen. Das waren vor allem die Grippeimpfstoffe, die man jetzt braucht. Dafür habe ich dann eine Rechnung von der AOK bekommen, weil ich die Impfstoffe ersetzen muss. Erstaunlicherweise waren das die Listenpreise und die Rechnung lag um mehrere hundert Euro höher als das Angebot, das mir die Apotheke gemacht hat. Das ist umso erstaunlicher, da wir Kassenärzte ja nur einen einzigen Grippeimpfstoff verwenden dürfen, für den die Krankenkassen einen besonders günstigen Preis ausgehandelt haben. Da dieser Preis aber so geheim ist, wird für die Rechnung an den Kassenarzt dann einfach der viel teurere Listenpreis verwendet. Fragt sich, wer die Differenz einsteckt.

Dann kam als nächstes eine Regressforderung hereingeflattert. D.h. ich muss (aus meinem Privatvermögen) Geld an die Krankenkassen zahlen, weil ich ein nicht verordnungsfähiges oder zu teures Medikament verordnet habe. In diesem Fall war es ein Präparat, das seit vielen Jahren verwendet wird und bei dem durch eine Neubeurteilung beschlossen wurde, dass es nicht besser als ein billigeres Medikament ist. Leider habe ich das bei meinen vielen hundert Patienten mit ihren noch viel mehr verschiedenen Medikamenten übersehen. Die Software der Krankenkassen hat diesen Fehler aber leicht aufgespürt und schickt jetzt nach knapp 2 Jahren eine Rechnung.

Ich halte sonst sehr korrekt alle Wirtschaflichkeitziele der Arzneimittelverordnung ein. Da kommt es mir schon sehr unfair vor, dass einem gleich eine Rechnung gestellt wird. Es kommt mir auch prinzipiell unfair vor, dass ich das Medikament bezahlen muss. Wo gibt es das sonst? Und besonders unfair kommt mir vor, dass ich erst nach knapp 2 Jahren darauf aufmerksam gemacht werde und meinen Fehler erst jetzt korrigieren kann (Der Patient war im Übrigen sehr gut damit behandelt, nur eben zu teuer). Ich kann also jetzt alle 3 Monate mit einer Geldforderung rechnen.

Meine Anfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung ergibt, dass ein Widerspruch sinnlos isei und ich im Übrigen noch Glückk gehabt habe. Ein Kollege, der gerade angerufen hatte, habe dieses Medikament für 5000 Euro pro Quartal aufgeschrieben. 5000 Euro jedes Quartal zurückzahlen, da kann man dann zusperren und Insolvenz anmelden.

Es gibt Tage, da kann ich wirklich gut verstehen, warum sich angesichts dieser völlig unkalkulierbaren finanziellen Risiken keiner mehr als Hausarzt niederlassen möchte.

Außerdem muss man sich immer vor Augen halten, dass das politisch so gewollt ist. Die Einzelpraxis ist ein Auslaufmodell. Praxen werden in Medizinischen Versorgungszentren zusammen gefasst, die ambulante Versorgung soll mehr und mehr von sogenannten Portalkliniken an Kliniken übernommen werden- egal wie weit man dafür fahren muss.

Dem niedergelassene Hausarzt, der einen und die Familie seit Jahren kennt, wird das Leben schwer gemacht. Er hat keine Zukunft, wird seine Praxis später nichtmal sinnvoll weitergeben können. Er ist ein Auslaufmodell.

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