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Heute war wieder einer da…..ein knapp 70-jähriger, der bisher selbst gar kein Patient war, sondern alle 2-3 Wochen seine Frau vorbeibrachte zur Kontrolle der Blutverdünnung.

Seine Frau ist Mitte sechzig und hatte vor ein paar Jahren einen schweren Schlaganfall. Ihr linker Arm ist gelähmt, sie kann nur mit Hilfe und Hilfsmitteln laufen, und sie hat eine motorische Aphasie. Das heißt, sie kann einen verstehen, aber sie kann kaum sprechen.

Das Leben des Mannes, der früher ein großes Architekturbüro hatte, dreht sich seit Jahren nur noch um die Frau und ihre Temine. Er pflegt sie alleine, versorgt den Haushalt, kocht und fährt sie zu allen Terminen wie Arzt, Krankengymnastik, Logopädie. Ein mehr als Vollzeit-Job, den er aufopferungsvoll erfüllt.

Vor ein paar Wochen hat er an sich bemerkt, dass er nicht mehr so leistungsfähig ist, immer müder wird. Schließlich hat es sich entschlossen, einen Untersuchungstermin bei mir auszumachen. Der wäre nächste Woche gewesen.

Am letzten Wochenende ging es ihm aber dann so schlecht, dass seine Kinder ihn in die Bereitschaftspraxis brachten.

Jetzt kommt er aus dem Krankenhaus zurück mit der Diagnose eines weit fortgeschrittenen Darmkrebses, der schon in die Lunge, Leber und den Bauchraum abgesiedelt hat. Als Therapieoption bleibt nur eine palliative Chemotherapie, um die Symptome etwas zu lindern. Er will so lange wie möglich für seine Frau da sein.

Selten habe ich eine so fortgeschrittene Krebserkrankung bei der Erstdiagnose gesehen. Er hat einfach auf Grund seiner Lebensumstände nicht auf sich geachtet.

Hilfe wolle er auch keine, sagt er, er sei immer alleine zurecht gekommen. Helfen kann ihm auch jetzt keiner mehr.

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