Schlagwörter

, , , , ,

Heute war wieder einer da……ein 22-jähriger mit Atemnot.

Eigentlich war auch nicht einer da, sondern er kam mit zwei Frauen und einem Baby aus dem Wartezimmer in mein Sprechzimmer. Das ist mir eigentlich schon zu viel. Bewusst habe ich nur zwei Stühle für Patienten im Sprechzimmer, so dass die größte, mögliche „Gruppe“ ein Ehepaar ist. Der Tag ist schon lang, die Sprechstunde nähert sich dem Ende und meine Irritation lässt sich nicht verbergen. Ich versuche zu klären, ob wirklich alle mit ins Sprechzimmer müssen.

Frau 1 hochschwanger:“ Ich bin die Ehefau, und er ist erst seit Dezember in Deutschland. Er spricht kein Deutsch.“

Frau 2 mit Baby: „Ich bin seine Schwester und gehöre zur Familie. Wir machen uns große Sorgen. Er ist letzte Woche im See verunglückt, fast ertrunken. Das stand sogar in der Zeitung. Haben Sie das nicht gelesen?“

Der junge Mann sieht tatsächlich recht apathisch aus und spricht nicht. Von der Ehefrau erfahre ich, dass er eine Woche vorher beim Baden am See einen Krampf gehabt habe und von der Wasserwacht gerettet wurde. Anschließend war er wohl zur Überwachung im Krankenhaus. Nach Entlassung wurde er von seinem Hausarzt gesehen. Jetzt waren sie bei der Schwester zu Besuch, hatten den Arztbrief nicht dabei und waren beunruhigt, weil ihm schwindelig sei und er keinen Appetit habe.

So richtig kann ich nicht herausfinden, was eigenlich passiert ist und wie schlecht es ihm ging. Zur Sicherheit höre ich ihn ab und messe die Sauerstoffsättigung und den Blutdruck. Alles ist zum Glück ganz normal.

Die Schwester hat inzwischen ihr Smartfon gezückt und zeigt mir den Zeitungsartikel. Dem kann ich zumindestens entnehmen, dass er wohl einen Wadenkrampf hatte und anschließend im Krankenhaus überwacht werden musste.

Weiterhelfen kann ich ohne die Vorbefunde nicht wirklich, rate aber nach hause zurüchzukehren und bei Verschlechterung, den Hausarzt aufzusuchen und vor allem den Arztbrief immer dabeizuhaben.

Das ist so ein Fall, wo die Hinterlegung von ärztlichen Befunden auf einer Gesundheitskarte weiterhelfen würden, wenn da nicht das eigentlich nicht lösbare Datenschutzproblem wäre.

Advertisements