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Heute habe ich eine Patientin von mir im Landeskrankenhaus besucht.

Sie ist 81 Jahre alt und hat vor 2 Jahren ihren Mann verloren, den sie vorher über mehrere Jahre gepflegt hatte. Die veränderte Situation, die Einsamkeit (die Kinder wohnen in anderen Teilen Deutschlands), die fehlende Aufgabe haben sie zunehmend niedergeschlagen gemacht, bis es gar nicht mehr zu hause ging.

Sie wollte nicht mehr aufstehen, ass nur noch sporadisch, konnte nicht mehr schlafen, nahm Gewicht ab usw.. Ambulant war das nicht in Griff zu bekommen. Eine stationäre psychiatrische Behandlung war notwendig geworden.

Auf Grund ihres Alters wurde sie auf die geschlossene geronto-psychiatrische Station aufgenommen. Für die alte Dame, die noch im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten ist, war die Unterbringung auf einer geschlossenen psychiatrischen Station ein großer Schock, zumal der Großteil der anderen Patienten verschiedene Formen und Ausprägung einer Demenz hate.

Wie bei vielen Psychiatrien und Landeskrankenhäusern ist die Baussubstanz vom Anfang des letzten Jahrhunderts und Modernisierungsmassnahmen haben nur halbherzig und teilweise stattgefunden. Auch bei meinem Besuch fällt mir zuerst das trostlose Ambiente, der lange künstlich beleuchtete Flur und der verlorene Gesichtsausddruck der Demenzpatienten auf.

Bei genauerem Hinsehen finden sich viele bunte Bilder in den Gemeinschaftsräumen, unzählige Gruppenangebote und ein überdurchschnittlich guter Pflegeschlüssel mit aufmerksamen und geduldigen Pflegern und Schwestern.

Meine Patientin fühlt sich zum Glück auch gut aufgehoben und ist bereits auf dem Weg der Besserung. Sie kann die Station in Begleitung anderer schon verlassen, und ich habe Hoffnung, dass sie sich soweit stabilisiert, dass sie wieder nach hause kann.

Bedauerlich finde ich trotzdem, dass es kaum andere Möglichkeiten gibt als diese geschlossenen geronto-psychiatrischen Stationen. Warum gibt es nicht mehr offene Stationen für ältere Menschen? Warum gibt es in Deutschland fast keine Klinik, die sich auf die psychosomatische Behandlung von älteren Menschen spezialisiert hat? Warum ist eine Rehabilitationsbehandlung für ältere Menschen nach depressiven Erkrankungen nicht vorgesehen? Bei Schlaganfällen, Oberschenkelhalsbrüchen und Herzinfarketen gibt es das doch auch. Warum kommt nur eine immer noch stigmatisierende und somit für die Patienten sehr belastende Behandlung in einer geschlossenen Psychiatrie in Frage?

Zuhause hat sich für meine Patientin leider wenig geändert, dabei könnten das so gute Rehaziele sein, Verlust zu bewältigen und neue Kontakte aufzubauen.

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