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12.30 Uhr der letzte Patient verlässt das Sprechzimmer.

12.35 Uhr bis 12.45 Uhr verkürzte wöchentliche Besprechung.

12.45 Uhr Aufbruch in das erste Pflegeheim. („Sie müssen dringend dorthin, der Patient ist gestürzt“.)

13.00 Uhr Ankunft im Heim auf der Station im 3. Stock. Patient ist nicht in seinem Zimmer, weit und breit ist niemand zu sehen, insbesondere keine Pflegekraft. Alle sind noch beim Mittagessen. Patient dort gefunden, Pflegekraft dort gefunden. Patient im Zimmer untersucht. Er hat einen Verband um rechten und linken Ellenbogen. Darunter findet sich jeweils eine kleine Blutkruste. Der Sturz ist offensichtlich schon mehrer Tage her. Kommentar Pflegekraft: „Wir wollten, dasss Sie sich das mal anschauen.“ Danach Rezept für Verbandsmaterial ausgestellt, Doku ausgefüllt etc.

13.30 Uhr Verlassen des ersten Pflegeheims, Aufbruch in das zweite Pflegeheim. („Sie müssen heute dringend dorthin. Die Patientin ist ganz aufgeschwemmt.“)

13.50 Uhr Ankunft im zweiten Pflegeheim auf Pflegestation. Patientin ist nicht im Zimmer, Pflegekraft ist am Stützpunkt anzutreffen. Diese sagt, dass es Frau B sehr gut gehe. Auf meine Frage, wie das mit der Wassereinlagerung sei, berichtet sie, dass sie gerade 2 Wochen in Urlaub war, aber Pfleger 2 weiss Bescheid und wird geholt. Dieser sammelt die Patientin ein, und ich untersuche sie in ihrem Zimmer. Und ja, sie hat etwas Wasser eingelagert, aber nicht mehr als sonst. Ich kenne sie ja seit vielen Jahren, viel länger als das Pflegeheim und sie selbst kann auch sagen, dass es nicht viel schlimmer ist als sonst. Die Lunge ist frei. Schmerzen hat sie auch nicht. Um etwas getan zu haben, erhöhe ich eine Wassertablette leicht. Medikamentenänderungsdoku etc.

14.15 Uhr Verlassen des zweiten Pflegeheims („Sie müssen heute dringend dorthin. Der Patient hat starke Schmerzen, ist schläfrig und kann nicht Wasserlassen.“)

14.30 Uhr Ankunft im dritten Pflegeheim. Diesmal treffe ich auf dem Weg eine Pflegekraft, die mich zum Patienten ins Zimmer begleitet. Dieser hält gerade seinen Mittagschlaf, ist aber sofort wieder wach und setzt sich an die Bettkante. Schmerzen hat er nicht und der Urin im Beutel ist klar und reichlich. Wir machen zusammen einen Verbandswechsel von einem Ulcus an der Ferse. Das sieht gut aus und ist am Abheilen. Herausstellt sich, dass das Wasserlassenproblem letzte Woche war, als ich in Urlaub war. Hat sich längst wieder gegeben. Und kommen sollte ich nur, weil ich ja nächste Woche auf einem Kongress sei. (Was aber nur für den Montag zutrifft.) Noch Doku und Rezepte.

14.55 Uhr Verlassen des dritten Pflegeheims

15.10 Uhr Ankunft in der Praxis. Die ersten Patienten warten schon für die Nachmittagsprechstunde.

Merke: Kommunikation zwischen Pflegeheimen und Arztpraxen ist gekennzeichnet von Faxen und Telefonaten. Die Kombination MFA(Medizinische Fachangestellte) und diverse Pflegekräfte vor und nach Schichtwechsel wirkt wie stille Post. Schmerzen und andere Symptome wachsen und wachsen und verändern sich von einem zum nächsten.

Es gibt bestimmt effektivere, lukrativerer und sättigendere Mittagspausen.

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