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Heute war wieder eine da….eine langjährige Patientin, um mir von ihrem Mann zu erzählen, der in der Woche zu vor verstorben ist.

Er war ein Bär von einem Mann gewesen, ein wortkarger Norddeutscher, der bis ins hohe Alter Leistungssport betrieben hatte. Mittlerweile hatte er den 80. Geburtstag hinter sich gelassen, äußerlich kaum verändert, aber die letzten Jahre hatten noch einmal viel Ärger gebracht. Sie mussten aus dem Haus ausziehen, in dem sie 50 Jahre gewohnt hatten, in eine kleine Wohnung.

Er kam nur sehr selten, aber im letzten Jahr hatte er berichtet, dass er kaum noch die Treppen zur Wohnung hochsteigen könne. Bereits im Ruhe-EKG konnte man sehen, dass das Herz nicht richtig durchblutet war. Dringendst riet ich ihm zu einer kardiologischen Untersuchung. Es vergingen fast weiter 1 ½ Jahre bis er sich dazu durchrang auf Drängen seiner Frau. Umgehend erhielt er eine Herzkatheteruntersuchung, nach der ihm eine Bypass-Operation angeraten wurde. Da er das kategorisch ablehnte, riet man ihm zu mindestens zur Implantation eines ICD (http://de.wikipedia.org/wiki/Implantierbarer_Kardioverter-Defibrillator), um ihn vor einem plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern zu schützen. Diesen wollte man sofort einsetzen, er stimmte zwar zu, aber bat, nochmal 1 Woche dazwischen nach Hause gehen zu dürfen, die Luft im Krankenhaus würde ihn sonst erdrücken.

In dieser Woche ist er an Kammerflimmern gestorben, der zugezogene Notarzt konnte ihn nicht retten, das kranke Herz war nicht wiederzubeleben. Vielleicht hätte ein ICD ihn gerettet, aber manchmal kommt jede Hilfe zu spät.

In Erinnerung kam mir dabei ein Gedicht von Ulla Hahn.

Wort halten (Ulla Hahn)
 
Ich kam zu spät. Das warme Bett
war leer. Sperrangel
weit standen beide Fenster offen.
 
Händedrücken mit vielen Leuten.
Fremde. Für persönliche Dinge
war der Plastiksack da.
 
Den Gang entlang rollten rosige Arme
die Wagen mit Schonkost. Wir stiegen
zum Keller hinab. Das letzte Fach unten rechts.
 
In diesem weißen Tuch
das ihr der Sohn um Kopf und Kinn gebunden
sah sie fast wie auf ihrem Hochzeitsfoto aus.
 
Ich roch den Fliederstrauß
auf ihrer starren Brust.
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