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Heute war wieder einer da…ein älterer Patient, der regelmäßig kommt, weil er eine Blutverdünnung einnimmt. Außer dass er häufig starke Rückenschmerzen hat, fehlt ihm nicht viel.

In der Woche zuvor war ich bei ihm zuhause gewesen , weil er einen starken grippalen Infekt mit Fieber und Husten hatte und mit seinen fast 80 Jahren so nicht in die Praxis kommen konnte. Da es ihm wirklich schlecht ging, Fieber, Auswurf, Geräusche über der Lunge, verschrieb ich ihm ein Antibiotikum.

Jetzt eine Woche später, kommt er wieder selbst in die Praxis, allerdings humpelnd und auf einen Gehstock gestützt. Der Husten sei viel besser, berichtet er, aber er habe Schmerzen und ein Taubheitsgefühl im rechten Bein. Allzu schwer nehme ich die Symptomatik nicht, da ja Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfälle bekannt sind. Orientierend kläre ich, dass die grobe Kraft da ist, Stuhlgang und Wasserlassen funktioniert auch. Also sage ich ihm, dass ich da wohl nicht weiterhelfen kann, aber ihn an einen Neurologen überweisen könnte.

Beim Hinausgehen sagt er noch, dass die Frau gesagt habe, dass das Bein komisch aussehe. „Wie komisch?“, frage ich erstaunt und tue das, was ich längst hätte tun sollen. Ich lasse mir das Bein zeigen. Das Bein ist von der Gesäßfalte bis zum Knöchel grün-blauviolett, riesige Hämatome. Och, sagt er, das sei schon ein paar Tage, dass ihm das Bein wehtue und sehen könne er das nicht selbst und nein, gestürzt sei er nicht. Das Bein ist leicht geschwollen, aber nicht überwärmt. Ich lasse ihm Blutabnehmen und bestelle ihn am nächsten Tag wieder her.

Am nächsten Tag kommt er schon wieder ohne Stock, das Taubheitsgefühl im Bein ist rückläufig. Glück gehabt. Die Blutwerte ergeben, dass sein Hb-Wert (rote Blutkörperchen) sich um ein Drittel reduziert haben seit der letzten Messung. Literweise ist bei dem stämmigen Mann Blut in die Muskelatur von Oberschenkel und Unterschenkel geflossen.

Wahrscheinlich ist es durch die Kombination von Blutverdünnung und Antibiotikum zu der Blutung gekommen. Der Druck im Bein in den Muskelkompartmenten war zwischenzeitlich offensichtlich so groß, dass sogar der Nerv beeinträchtigt war. Bei genauerer Nachfrage gab der Patient auch an, dass er viel kurzatmiger sei als sonst. Kein Wunder bei der Reduktion der Sauerstoffträger im Blut.

Ist alles noch einmal gut gegangen-zum Glück. Lernen kann man daraus, dass man den Patienten immer ausziehen sollte, dass man wachbleiben muss, auch wenn man den Patienten schon lange kennt und er sonst nie ernsthaft krank war, dass Patienten häufig nicht selbst einschätzen können, was unter Umständen Hinweise auf eine schwere Erkrankung sind und dass die Kombination von Blutverdünnung und Antibiotika problematisch sein kann.

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